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09.01.2010

Die MFK in der Presse


Ein Bericht des Kölner Stadtanzeigers vom 28.12.2009
Kategorie: Allgemein
Erstellt von: BennoHanses

Weihnachtsfahren im Schwarzwald MODELLEISENBAHN-FREUNDE Clubmitglieder sorgen sich um Märklin - 25 000 Bäume fürs Mittelgebirge

 

 

VON PETER BERGER

 

Wie kann man nur so naiv sein? "Das können Sie vergessen", sagt Benno Hanses, und vermutlich hat er in diesem Moment gedacht: "Schon wieder so einer, der null Ahnung hat." Wir sitzen in gemütlichen Erster-Klasse-Sesseln der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn, in einer ehemaligen Signalmeisterei, einen Steinwurf vom Mülheimer Bahnhof entfernt. Draußen gleitet ein ICE vorbei. Die Sonne blinzelt durch die Fenster. Zweiter Weihnachtstag. Es gibt Glühwein und Plätzchen, das ein oder andere Kölsch geht über den Tresen. Gleich wird Dirk Lauterbach nach unten gehen und die Schwarzwaldbahn in Betrieb setzen. Lauterbach ist der Mann, den sie hier "Fahrdienstleiter" nennen, weil er erstens Ahnung von Computern hat und zweitens Lokführer ist. Am 26. Dezember ist "Weihnachtsfahrtag für Clubmitglieder". Das ist seit 49 Jahren so, und das wird auch so bleiben, so lange es die Modelleisenbahn-Freunde Köln gibt. Benno Hanses schmunzelt. Wieso keiner ein Päckchen dabei habe, will ich wissen. Mit dem, was Heiligabend unterm Baum gelegen hat. Bei echten Modellbahnern liegt da nichts. "Die haben sich die Sondermodelle das ganze Jahr über selbst besorgt." Nahezu jeder der 60 Clubmitglieder habe eine eigene Anlage zu Hause, und im Zeitalter der Digitaltechnik könne man nicht mehr jeden Zug einfach aufs Gleis stellen, am Trafo drehen und losfahren. "Daswird hier alles digital gesteuert. Da muss man jede Lok programmieren. Sonst fährt gar nichts."

 

 

Eine neue Errungenschaft gibt es aber doch. Wie jedes Jahr zu Weihnachten. Diesmal ist es eine schwere Güterzug-Lok der Baureihe 150, angeschafft nach Vorstandsbeschluss ohne Gegenstimmen. "Wir schauen, was uns noch fehlt, und dann wird das gekauft", erklärt der Vorsitzende und fingert die Neuanschaffung, rund 200 Euro teuer, vorsichtig aus der Styropor-Packung. Ein Kennerblick - und schon das nächste Fettnäpfchen: "Die ist ja gar nicht von Märklin", werfe ich ein und werde in einem Drei-Minuten-Schnellkurs darüber aufgeklärt, warum der Mercedes unter den Miniaturbahnen für ernsthafte Modellbauer das absolute "No Go" ist. Weil sich Märklin-Loks den Strom per Schleifer aus Kontaktpunkten in der Mitte des Gleises holen. "Die Natur kennt keine dritte Schiene", sagt Hanses. Und damit basta.

 

 

Dennoch. Der Niedergang von Märklin, das drohende Aus des Traditionsunternehmens lässt hier keinen kalt. Weil nahezu alle Vereinsmitglieder mal damit angefangen haben und eine ganze Branche daran hängt. Die vorbildgerechten Oberleitungen von Sommerfeldt, die detailgetreuen Signale von Viessmann. Das werde alles ins Rutschen geraten, wenn der Branchenprimus nicht überlebe. "Wenn Märklin wegbricht, können wir einpacken, rein von der Optik her", fürchtet der Ehrenvorsitzende Hartmut Groll. Die Schwarzwaldbahn auch, bei der jedes Detail zwischen Triberg und Hausach stimmt, jede Weiche, jeder Bahnsteig, jedes Häuschen. Schließlich haben die Clubmitglieder sie nach den original Gleisplänen der DB gestaltet.

 

 

Das alles ohne Fahrdrähte von Sommerfeldt - undenkbar. "Fahrdienstleiter" Lauterbach fläzt sich in seinem Sessel vor den Flachbildschirmen, auf denen das komplette Gleisbild zu sehen ist. Ein Ferien-Express rollt durch Hausach. Gezogen von einer Diesellok, mit Schnellzugwagen von Scharnow und Touropa. Nachdem sie ihr Domizil im Deutzer Bahnhof 2002 verlassen mussten, haben sich die Modellbahn-Freunde drei Jahre später in ihrer neuen Heimat für den Bau der Schwarzwaldbahn entschieden. Weil Mittelgebirgsstrecken besonders reizvoll sind, wie Benno Hanses findet. "Wir wollten mal ein deutsches Thema haben. Und immer nur flache Landschaften sind doch langweilig." Wohl auch deshalb entsteht im Nebenraum gerade Amerika. Die Appalachen sind fertig, Arizona geht der Vollendung entgehen, dazwischen wird es "ein bisschen Rockies" geben. Mit Amerika präsentieren sich die Eisenbahnfreunde auf Modellbahnmessen, im November 2010 wieder in den Deutzer Messehallen. Wer sich etwas Mühe gibt, kann von den Rockies direkt in den Schwarzwald mit seinen 25 000 Bäumen schauen. Jeder einzelne ist das Werk des Ehrenvorsitzenden, hergestellt aus japanischer Strauch-Spiere, mit Leim und Styroporflocken. "Ein Baum, sieben Handgriffe", sagt der Ehrenvorsitzende und zeigt, wie sich die Schwarzwaldtanne von ihre Artgenossen in den Rockies unterscheidet. "Die Rockie-Tanne ist nicht so ausladend", sagt Hartmut Groll. Das muss man wissen, am Weihnachtsfahrtag bei den Modelleisenbahn-Freunden.

 

50-jähriges Bestehen

Die Modelleisenbahn-Freunde Köln feiern im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Am Sonntag, 21. Februar, wird es auf der Anlage am Ende der Mündelstraße in der alten Signalmeisterei am Bahndamm in Mülheim einen vereinsinternen Empfang geben. Eine Woche später, am 27. und 28. Februar, lädt der Club jeweils von 10 bis 17 Uhr zu Besucher-Fahrtagen ein. Der Eintritt kostet inklusive eines Getränkes drei Euro. Derzeit hat der Club rund 60 Mitglieder. Der Jahresbeitrag beträgt 120 Euro, Familien zahlen 150 Euro. WWW.MODELLEISENBAHNFREUNDE-KOELN.DE Weihnachtsfahrtag auf der Anlage in Mülheim: Der Club hat einen Teil der Schwarzwaldbahn originalgetreu im Maßstab 1:87 errichtet.

 

BILDER: STEFAN WORRING

 

 

Die neueste Errungenschaft der Clubfreunde: Vereinschef Benno Hanses setzt die Güterzuglokomotive der Baureihe 150 aufs Gleis.

 

 

Gemütliche Runde: Bei den Modelleisenbahn-Freunden versinkt man in Erster-Klasse-Sesseln der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn.

 

1149263, KSTA, 28.12.2009, Words: 788, NO: KS12282009080200767D02