50 Jahre MFK
Am 04.02.2010 wurden die Modelleisenbahn-Freunde Köln 50.

Am 21.02.2010 feierten wir unser 50 jähriges Bestehen im Beisein eines Grossteils unserer aktiven und ehemaligen Mitglieder, sowie geladenen Ehrengästen. Als Vertreter der Stadt Köln war Bürgermeister Manfred Wolf anwesend und überbrachte die Grüße von Oberbürgermeisters Jürgen Roters.
Bilder der Feier finden Sie hier.
Hier können Sie die Rede des Vorsitzenden zum Jubiläum nachlesen.
Köln, 21.02.2010
50 Jahre Modelleisenbahn-Freunde Köln
Ich möchte Sie/Euch alle herzlich begrüßen und freue mich, dass Ihr unserer Einladung gefolgt seid, heute den 50zigsten Geburtstag der Modelleisenbahn -Freunde Köln zu feiern.
Ich möchte ein bisschen aus der Geschichte des MFK erzählen:
Donnerstag der 04.02.1960 Was geschah an diesem Tag in Deutschland:
- Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler werden in Garmisch-Partenkirchen Europameister im Eiskunstlauf der Paare.
- Die freien Tankstellen in der Bundesrepublik geben die Gründung einer eigenen Einkaufsgesellschaft für Benzin bekannt. Sie wollen damit die Unabhängigkeit von den großen Treibstoffkonzernen erreichen und deren Preise um bis zu fünf Pfennig pro Liter unterbieten.
- Nach einer Erhebung der Arbeitsämter in der Bundesrepublik wollen etwa vier Fünftel der 21 000 männlichen Abiturienten ein Studium aufnehmen. Von den 12 000 Abiturientinnen streben nur rund zwei Drittel einen Hochschulbesuch an
An diesem Tag wurde in Köln von modellbahnbegeisterten Männern in den Unterrichtsräumen des Bahnhof Deutz ein Modelleisenbahnclub,die
gegründet.
Heute ist der Verein 50 Jahre alt. In dieser langen Zeit hat das Vereinsleben so manches Auf und Ab erlebt.
Im Dachgeschoss des Deutzer Bahnhofs fand der Club mit Unterstützung der Bundesbahn sein Domizil. Hier bauten die Clubmitglieder den ungenutzten Speicherraum in Eigenleistung zu einem gemütlichen Treffpunkt aus. Die erste Anlage entstand. Selbstbaugleise und Weichen bestimmten die Anlage, das gekaufte Rollmaterial wurde umgebaut. Die Loks erhielten bessere Motoren, Personenwagen wurden verlängert um dem Maßstab 1:87 zu entsprechen.
Was heute jeder käuflich erwerben kann musste in langwieriger Handarbeit selbst erstellt werden. An den Clubabenden wurde erst gearbeitet und anschließend das ganze bei einem Bier betrachtet und nochmal diskutiert. Kurzum ein sehr lebhaftes Clubleben. Die Mitglieder konnten Ihr Rollmaterial auf einer großen Anlage in Betrieb sehen, da nur sehr wenige eine eigene Anlage zu Hause hatten.
Der Sinn des Vereins, besteht auch darin, die Modelleisenbahn der Öffentlichkeit näherzubringen, so z.B. durch den Bau und Betrieb von Anlagen im Kaufhaus Peters in den frühen 60ziger Jahren. Die Anlage musste natürlich betreut werden und das auch tagsüber. Wer sollte dies tun, da die meisten doch berufstätig waren. Ein namentlich nicht genannter Gynäkologe, auch Vereinsmitglied, nahm kurzerhand den Block mit den gelben Urlaubsscheinen und sorgte somit für eine ausreichend große Betreuungsmannschaft. Das einzige was mich interessiert, mit welcher Begründung wurden die Herren krankgeschrieben???
Das Clubheim wurde weiter ausgebaut und die Zahl der Mitglieder stieg in großem Masse. Innerhalb von 2 Jahren traten zwischen 1964 und 1966 48 neue Mitglieder in den Club ein. Für heutige Verhältnisse unvorstellbar.
In jedem Jahr standen vielfältige Exkursionen im In - und Ausland an. Hier sei besonders die Schweiz erwähnt. Mit dem MEFEZ (Modelleisenbahnfreunde Eiger Zweilütschinen) entstand eine tiefe Freundschaft und gegenseitige Besuche standen auf dem Plan.
So manch heiterer Abend in geselliger Runde war die Folge. Nach dem Genuss von zwei bis achtundzwanzig Enzian waren auch die Sprachprobleme wie weggeblasen.
Bei den Cluboffenen Tagen im Jahr 1977 wird der Club von fast 3200 Besuchern überrannt. Die Leute standen bis auf die Straße und im Club war es mehr als voll.
Die Clubanlage wurde 1980 umfangreich umgebaut um mehr Platz für gesellige Anlässe zur Verfügung zu haben. Ein erheblicher Umbau stand an. Ein neues und größeres „Schwaadeck" entstand. Dazu musste der große Kopfbahnhof um 90 Grad geschwenkt werden. Um - und Ausbau verschlangen die Summe von 5400 DM. Die Handwerkarbeiten wurden alle in Eigenleistung durchgeführt.
1982 findet das Frühlingsfest im Deutzer Bahnhof statt. Die Modelleisenbahn-Freunde Köln beteiligen sich bei der Ausgestaltung und öffnete den Club für Besucher. Dr. Beck, seines Zeichens Präsident der Bahndirektion Köln, findet lobende Worte für den Club und die von ihm geleistete Arbeit.
1984 findet in Köln die erste Modellbahnausstellung statt. Ein Heimspiel für den MFK und ein Muss daran teilzunehmen. Hierfür erstellen die Modelleisenbahn -Freunde eine Schauanlage nach amerikanischem Vorbild. Es folgten viele weitere Ausstellungsanlagen mit unterschiedlichsten Themen und in verschiedenen Spurweiten. An Größe nicht zu übertreffen war die BLS Anlage mit ca. 270 qm Fläche.
Dies alles machte die Modelleisenbahn Freunde Köln über die Grenzen Deutschland hinaus bekannt und brachte uns einen hervorragenden Ruf ein. Unsere Schauanlagen wurden vielfach von Jury und Publikum mit Preisen bedacht. In den meisten Fällen war es der 1. Preis.
2009 wird die vorerst letzte Messeanlage auf Kiel gelegt. Nach 25 Jahren Messearbeit entsteht wiederum eine Anlage nach amerikanischem Vorbild.
Bis Ende der neunziger Jahre war die Arbeit an der Clubanlage sehr rege. Die bestehende Steuerung wurde nach und nach durch die „Modellbahnsteuerung per Computer" ersetzt. Der Kopfbahnhof erhielt ein Hallendach mit detaillierter Ausstattung und es wurden Pläne für die Gestaltung der Landschaft gemacht.
Zu diesem Zeitpunkt erfolgte der erste Bruch, der die Arbeiten an der Anlage zum Stillstand brachte. Für das neue Stellwerk der DB-AG welches im Erdgeschoss des Bahnhof Deutz eingebaut wurde, mussten Lüftungsanlagen eingebaut werden. Durch die Decke wurden große Löcher gebohrt und die Belüftungskanäle wurden durch unsere Räume und anschließend durch das Dach nach außen geführt. Wegen der zu erwartenden Staubentwicklung wurde die gesamte Anlage mit Folie abgedeckt. Das ganze zog sich über mehrere Monate hin, bis wir unsere Anlage wieder in Betrieb nehmen konnten. Es dauerte eine Weile, bis sich die Mitglieder wieder zahlreich im Clubheim einfanden und die Arbeiten an der Anlage fortgeführt wurden.
Nach vielen Diskussionen wurde der Entschluss gefasst, die Urzelle der Anlage, den Schweizer Teil abzureißen. Damit wir einen Weihnachtsfahrtag durchführen konnten, wurde eine neue Schleife am Ende des Güterbahnhofs als Provisorium eingebaut um über eine geschlossene Streckenführung zu verfügen und den Fahrbetrieb sicherzustellen.
Zum Ende des Jahres 2002 kam das vermeintliche Ende für den Club. Nach immer weiter steigenden Anforderungen durch die DB AG zum Brandschutz in den Clubräumen, die wir aus finanzieller Sicht nicht erfüllen konnten, erhielten wir zum 31.03.2003 die Kündigung des Gestattungsvertrages. Wir mussten den Bahnhof Deutz nach über 40 Jahren verlassen. Da niemand beim Bau der Anlage auch nur im Ansatz daran gedacht hatte, dass die Anlage einmal umziehen müsste, blieb nichts anderes übrig, als diese zu Grabe zu tragen. 40 Jahre Arbeit wurden ein Opfer der Kettensäge und fanden ihr Ende im Container. Manch ein Mitglied hatte beim Abriss Tränen in den Augen. Viele Privatkeller wurden mit Clubinventar gefüllt, da wir doch die Hoffnung hatten das es irgendwie weitergehen würde.
Um den Kontakt zu halten trafen wir uns mindestens 1-mal im Monat in der Gaststätte Grund in der Montanusstr. Hier wurden auch 2 Jahreshauptversammlungen unter reger Beteiligung der Mitglieder abgehalten.
Unzählige Kontakte wurden aktiviert, Räume besichtigt, Telefonate geführt, E-Mails geschrieben. Und nach fast einem Jahr zeichnete sich ein Licht am Ende des Tunnels ab. Der Frust über die DB-AG legte sich, nachdem wir nach harten Verhandlungen die alte Signalmeisterei in Köln-Mülheim zu günstigen Konditionen zum 01.01.2004 übernehmen konnten. Der Verein hatte wieder ein Heim.
Mit sehr viel Elan wurde durch viele Mitglieder aus einer Bruchbude ein schmuckes Clubheim errichtet. Es wurde innerhalb kurzer Zeit eine neue Clubanlage aus der Taufe gehoben. Unsere Schwarzwaldbahn. Diese ist so erfolgreich, das es in Hausach im Schwarzwald doch glatt eine Kopie dieser Anlage gibt.
Im Nachhinein betrachtet muss ich sagen, es konnte uns nicht besseres passieren als den Bahnhof Deutz verlassen zu müssen. Dies war die Möglichkeit den Club neu aufzustellen und in eine Zukunft zu führen. Ich denke, dass wir dabei auf einem guten Weg sind.
Mit Absicht habe ich hier niemanden persönlich erwähnt. Die Gefahr jemanden zu übergehen ist zu groß. Stattdessen bedanke ich mich bei allen, die den Club bis an diesen Punkt gebracht haben ganz herzlich. Jeder auf seine Weise und mit seinen Mitteln. Und diese Mischung macht die Modelleisenbahn-Freunde Köln aus.
Mein Wunsch ist es, dass die Modelleisenbahn Freunde Köln noch viele Jahre bestehen und Ihnen immer ein HP1.
Uns allen noch einen gemütlichen Tag, interessante Gespräche und zu guter Letzt einen guten Appetit.
Benno Hanses